Mein Semester hat begonnen…

Februar 25, 2010

Letzten Samstag hat das neue Semester begonnen und ich bin umgezogen ins Wohnheim des Instituts für Sharia Studien. So sehr ich mich gefreut habe, dass es nun endlich losgeht…schwer gefallen ist es mir schon ein bisschen. Ich habe mich doch sehr an meine omanische Familie gewöhnt. Im Wohnheim wurde ich aber sehr herzlich empfangen, das hat geholfen =) Ich teile jetzt ein Zimmer mit drei anderen Mädchen, von denen keine, so wie alle anderen Studentinnen auch, viel Englisch spricht, d.h. ich muss jetzt wirklich ran. Es klappt aber doch besser als ich gedacht hätte. Kleine Konversationen über Familie oder Studium sind immerhin möglich. Der Tag beginnt morgens gegen 5h30 zum Morgengebet, danach treffen sich je vier, fünf Mädchen für eine Stunde um gemeinsam im Koran zu lesen. Ich darf auch teilnehmen. Wenn ich auch nichts verstehe, so ist es doch wunderschön anzuhören. Der Koran wird nämlich nicht einfach gelesen, sondern vielmehr singend rezitiert. Das ist eine Kunst für sich. Den restlichen Morgen verbringt man mit lernen, Wäsche waschen etc. Zu dieser Zeit findet nämlich nur der Unterricht für die männlichen Studenten statt. Um drei Uhr kommen dann kleine Shuttle-Busse, die uns Mädchen zum Institut bringen. Diese Prozedur muss von außen betrachtet putzig aussehen und ich habe mich ein bisschen wie ein VIP gefühlt. Die Busse halten nämlich direkt vor dem Tor des Wohnheims, das dann von unserem Torwächter geöffnet wird, der dort auch die ganze Zeit stehen bleibt. Zügig geht’s dann in den Bus, kein Blick nach links, keiner nach rechts. Das es sich um ein Institut für Arabisch und den Islam handelt, spiegelt sich im Verhalten der Studentinnen wieder. Auch ihre Kleidung ist entsprechend strenger. Zum Unterricht wird durchweg schwarz getragen; Verzierungen der schwarzen Abayas sieht man hier kaum. Die meisten tragen geschlossene Schuhe oder schwarze Socken in den Sandalen, ich habe sogar jemanden mit schwarzen Handschuhen entdeckt. Vielleicht ein Drittel der Studentinnen verschleiert zusätzlich das Gesicht. Dann sieht man nur noch die Augen (oder auch nicht…man kann das Gesicht nämlich auch mit einem leichten schwarzen Schleier sozusagen verhängen). Sind wir auf dem Gelände des Instituts angekommen, wird der Gesichtsschleier aber hochgeklappt. Das Institutsgelände selber ist ein sehr angenehmer Ort. Weiß gestrichene Gebäude, frisch gesprenkelter grüner Rasen und eine gewisse Ruhe in der Luft. Ich fühle mich sehr wohl dort. Von gegen 16h bis 21h findet der Unterricht statt. Mein Stundenplan umfasst Vorlesungen in arabischer Grammatik, islamischer Erziehung und der Rolle der Frau im Islam. Ich wünschte, ich könnte alles genau verstehen. Im Moment schnappe ich nur einzelne Wörter auf und manchmal das Thema, um das es gerade geht. Unterrichtet wird sowohl von Männern als auch von Frauen. Zwischen 18h und 19h gibt es eine Pause, in der man wunderbar auf dem Rasen sitzen und eine Kleinigkeit essen kann. Der Himmel ist zu dieser Zeit zwischen Tag und Nacht gefangen…eine wunderbare Stimmung. Nach Unterrichtsschluss bringen uns dann die Busse zurück ins Wohnheim. Dieses kann man übrigens nicht eigenständig verlassen. Man kann lediglich von Personen, deren Personalien bei der Wohnheimbetreuerin hinterlegt sind, abgeholt werden. Erst nach Vorzeigen des Personalausweises und einer Unterschrift ist man draußen. So wird gewährleistet, dass sich die Eltern der Studentinnen, die zumeist aus weiter entfernten Städten kommen, keine Sorgen machen müssen. Das ist natürlich eine neue Erfahrung für mich, schließlich bin ich es gewohnt ganz selbstständig durch die Welt zu spazieren. Ich empfinde es aber im Moment einfach nur als spannend und als Geschenk; denn ich sehe nicht im Vorbeifahren einen Bus voller schwarz gekleideter Frauen und wundere mich, sondern ich bin eine unter ihnen und blicke (hoffentlich auch durch ihre Augen) nach draußen.

2 Antworten zu “Mein Semester hat begonnen…”

  1. Simone said

    schön, katti! wie du schreibst ist fabelhaft, deine texte lesen sich sehr flüssig. und spannung ist darin enthalten, sodass ich immer weiterlesen möchte, ich jedoch viel zu schnell das ende erreiche ; ) go ahead!!! küsschen!

  2. franny_from_the_block said

    Das ist ja aufregend und so ganz anders als Studium zu Hause – eine außergewöhnliche Erfahrung. Es erinnert mich ein bisschen an das Leben in einem Kloster – Ruhe, Gebete, Lernen. Mit der Sprache wird es sicherlich schnell bergauf gehen. Jetzt, wo du Tag ein Tag aus nichts anderes hörst. Ich freu mich für dich, dass dir auch das Unileben gefällt.
    Liebste Grüße aus L.

    PS: Habe gestern Frühblüher gekauft. Der Winter in Deutschland neigt sich dem Ende :)

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