Autos und Babies

April 22, 2010

Als ich das erste Mal in einem Auto saß, dass zum Tanken gefahren ist, habe ich nicht schlecht gestaunt. Zum einen, weil es hier den (in Deutschland manchmal nun wieder zu beobachtenden) Service des Tankwartes gibt. Man braucht nicht auszusteigen, sondern lediglich das Fenster herunterlassen. Zum anderen aber war ich noch viel mehr verblüfft, als ich hörte, für wie viel der Fahrer tanken wollte: Ganze 2 Rial, umgerechnet knapp 4 Euro. Ich hätte fast gelacht; für eine solch lächerliche Summe überhaupt anzuhalten, schien mir unsinnig. Allerdings: es lohnt sich, denn hier gibt es den Liter Benzin für nur 0,120 Rial! Man merkt also, das Oman mit Ölvorkommen (wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie andere Golfstaaten) gesegnet ist. Bei den Temperaturen, die hier meistens vorherrschen, ist man für das günstige Transportmittel Auto allerdings sehr dankbar (sobald man ins Schwitzen gerät, rückt die leidende Umwelt leider in den Hintergrund). Generell wird hier eigentlich alles mit dem Auto erledigt, was mit Sicherheit auch der Nicht-Existenz öffentlicher Verkehrsmittel (ausgenommen Taxis) geschuldet ist. Beliebt sind vor allem Geländewagen oder Pick-Ups( übrigens fährt man hier hauptsächlich Automatik); marktführend sind dabei die asiatischen Marken, Toyota und Nissan müssen in Oman einen ziemlich guten Absatzmarkt finden. Die großen 4WDs bieten neben der Möglichkeit eines Wüsten- oder Wadibesuchs vor allem Platz für viele Passagiere; bei großen Familien ein absolutes Muss. Dabei beachtet man die Vorgaben der Hersteller nicht so genau wie in Deutschland. Wir knuddeln uns des öfteren zu viert auf der Rückbank und angeschallt wird sich, wenn überhaupt, nur in der ersten Reihe. Übrigens werden Kindersitze kaum verwendet. Kleinkinder hält man im Arm, der Rest klettert durch die Reihen. Mir bleibt ob solcher Anblicke immer fast das Herz stehen…Der omanische Fahrstil im Ganzen ist etwas gewöhnungsbedürftig, ab und an ein bisschen chaotisch; man sagt, die (Gast-)freundlichkeit eines Omanis hört auf, wenn er im Auto sitzt. Als ich gestern mal hinters Steuer durfte, habe ich gemerkt, dass da schon ein bisschen was dran ist. Wir waren auf dem Weg zu Verwandten, deren Tochter vor kurzem ein Kind bekommen hat. Nach der Geburt zieht die frischgebackene Mutter traditionell für 40 Tage zu ihrer Mutter (manchmal teilt sie diese Zeit aber auch auf zwischen Mutter und Schwiegermutter); woher genau das kommt, weiß ich nicht. Vielleicht hat sie dort aber etwas mehr Unterstützung und Ruhe (allerdings bestimmt nicht vor Besuchern) als zuhause. Übrigens wird ein Neugeborenes mit den Worten des Gebetsrufes begrüßt, die der Vater oder ein anderer Angehöriger ihm ins Ohr spricht. Nach 7 Tagen (oder auch später) wird dem Baby der Kopf geschoren, sodass der kleine Spatz, den ich gestern bewundern konnte, ganz kahl war; wie die meisten deutschen Babies, die ich kenne, auch =) Übrigens erfolgt auch die Namensgebung manchmal erst nach 7 Tagen; das liegt aber im Ermessen der Eltern (denn es ist nicht vorgeschrieben im Islam, sondern „nur“ Sunna, d.h. der Prophet hat es so gehandhabt und danach richtet man sich gerne; er gilt als das beste Vorbild).

Eine Antwort zu “Autos und Babies”

  1. Marianne said

    Und wie war das genau mit dem Autofahren im Oman?
    Hätte eigentlich nicht gedacht , dass du fahren darfst. Vertrauensbeweis? Gratuliere!

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