Ramadan

August 13, 2010

Ramadan Karim

Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, saßen wir am Dienstagabend gespannt vor dem Fernseher, um zu erfahren, ob der Neumond gesichtet wurde oder nicht. Sein Erscheinen läutet nämlich den Beginn eines neuen Monats ein. Saudi-Arabien hatte ihn gesehen und am Mittwoch mit dem Fasten begonnen. Im Oman war es erst später soweit und so war hier am Donnerstag der 1.Ramadan – der Beginn des heiligen Monats. Das Fasten im Ramadan bildet eine der so genannten fünf Säulen des Islam und ist als solche für Muslime verpflichtend (die anderen vier sind das islamische Glaubensbekenntnis, die täglichen fünf Gebete, die Pilgerfahrt nach Mekka und die Almosensteuer*). Vor dem Morgengebet, dass immer kurz vor Sonnenaufgang stattfindet, gibt es eine kleine Mahlzeit, danach beginnt das Fasten, das nicht nur Essen, sondern auch Getränke, Bonbons, Medizin etc. umfasst (keine Sorge, Kranke und Kinder sind ausgenommen). Viele Muslime verbringen den Tag zuhause, man liest viel im Koran, manche nehmen sich sogar Urlaub, Ämter sind nur halbtags geöffnet, andere Arbeitgeber reduzieren die Arbeitszeit ihrer Angestellten, Restaurants öffnen erst abends und schließen später als sonst, in den Hotels wird kein Alkohol ausgeschenkt. Erschallt kurz vor Sonnenuntergang der Ruf zum Abendgebet, wird das Fasten gebrochen; traditionell mit Datteln und Laban (einem salzigen Joghurt-Getränk). Nach dem Gebet gibt es dann die Hauptmahlzeit, die wirklich wunderbar schmeckt. In den meisten Familien wird während des Ramadans übrigens viel mehr gekocht und gebacken als sonst, denn man bringt immer auch etwas zu Nachbarn und Verwandten (Statistiken zufolge wird im Monat Ramadan mehr Geld für Essen ausgegeben als in jedem anderen Monat). Nach dem Essen haben wir uns gestern zu einem langen Sport-Spaziergang am Meer aufgemacht und wir waren nicht alleine, es herrschte vielmehr Hochbetrieb. Jede Menge andere Spaziergänger und Läufer waren unterwegs, Jungen trafen sich zum Fußballspielen. Viele Aktivitäten werden jetzt wohl noch mehr als sonst auf den Abend verlegt.  

 * Diese Almosensteuer umfasst einen bestimmten Prozentsatz des Vermögens und ist jährlich zu entrichten. Allerdings wird sie nicht von einer zentralen Stelle eingezogen, sondern der Gläubige ist selber für ihre Berechnung und Zahlung verantwortlich. Oft gibt man das Geld an jemanden weiter, von dem man weiß, dass er Bedürftige kennt.

3 Antworten zu “Ramadan”

  1. Doro said

    Das ist ja interessant, dass jedes Land das individuell handhabt.
    Fastest du aus Solidarität auch mit?
    Freu mich schon auf dich!
    Doro

  2. Helge Dirks said

    Find ich auch spannend. Das wusste ich auch noch nicht, dass die Länder alle selbst nach dem Neumond gucken.

    Kann mich noch erinnern, wie ich in Nablus mit meinem Gastvater auf dem Dach seines Hauses saß, als der erste Ramadan-Tag seinen Sonnenuntergang erreicht hatte. Das war ein Spektakel! Die halbe Stunde vorher das reinste Chaos in der Stadt – und dann die große Stille und die Stadt wie ausgestorben, als alle bei Tisch waren.

  3. Helge Dirks said

    Weißt Du denn schon, ob Du bald und wann Du wiederkommst? Kommst Du wieder nach Leipzig? Da bin ich nämlich auch grade und schreibe Examensarbeiten … vermutlich zieh ich nach dem Examen im Februar hier weg.
    Ganz lieben Gruß!

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