Jetzt sind es schon fast genau 4 Wochen, die ich wieder in Deutschland bin und ich konnte mich noch nicht dazu bringen, einen letzten Eintrag zu schreiben; vielleicht, weil meine Rückkehr dadurch endgültig wird. Ich habe während der 10 Monate im Oman so viele wunderbare Menschen kennen lernen dürfen, habe so vieles gesehen, erlebt, probiert, kennen und dazu gelernt, unbeschreibliche Gastfreundschaft genossen und schließlich das Land und vor allem seine Menschen sehr lieb gewonnen. Und ich bin unendlich dankbar all jenen, die mir diese Erfahrung ermöglicht haben! Nun zurück in Deutschland fällt mir allerdings nicht alles so leicht, wie ich es erwartet hatte und ich bin nicht ganz so fröhlich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Natürlich freue ich mich, meine Familie und Freunde wieder nahe zu wissen; aber Nähe zu einem Ort bedeutet gleichzeitig immer auch Entfernung von einem anderen. Ich lebe jetzt wieder am anderen Ende der Fluglinie Masqat – Frankfurt, in einer anderen Gesellschaft, einem anderen Teil der Welt.  Ich glaube, daran muss ich mich erst gewöhnen. Zwar bin ich hier zuhause und Deutschland mag dasselbe Land sein, das ich vor einem knappen Jahr verlassen habe, aber ich bin nicht mehr ganz dieselbe. Im Ohr noch den Ruf des Muezzin über Masqat…ich bin noch nicht richtig zurückgekommen.

Picknick

 

Omanischer Krummdolch

 

Ein letztes Mal omanische Kathrin.

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Aus einem Schulbuch

September 30, 2010

Omanische Schulbuchbilder

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Es ist soweit, heute war der letzte Tag des Ramadan und das wird ab morgen in dem dreitägigen Fastenbrechfest ordentlich gefeiert. Nach den eher ruhigen, langsamen letzten 29 Tagen wird das wohl ein bisschen anstrengend werden, wenn auch mit Sicherheit schön. Etliche (ich werde versuchen zu zählen =) )Verwandtenbesuche stehen schon ab morgens auf dem Programm; Lunch gibt es die nächsten drei Tage nur im großgroßen Familienkreis. Und es wird unheimlich viel gutes zu essen geben. Um alles probieren zu können, werde ich schön langsam machen müssen; nach dem langen Fasten scheint man gar nicht mehr so viel auf einmal zu schaffen. Was es vor allem gibt ist eine ganze Menge verschiedener Plätzchen. Die wurden während der letzten Tage eifrig gebacken und verschenkt (vielleicht vergleichbar mit unserer Weihnachtsbäckerei). Diese leckeren Geschenke erhalten vor allem ältere Damen, denn sie begeben sich nicht mehr selber auf die große Besuchstour, sondern empfangen zuhause und benötigen entsprechend Verpflegung für die zu erwartende Gästeschar. Übrigens tauscht man auch Geschenke aus, allerdings oft schon während dem Ramadan. Was im vergangenen Monat ebenfalls die Besitzer gewechselt hat, ist die jährlich zu zahlende vom Islam vorgeschriebenen Almosensteuer (prozentual abhängig von der Größe des Vermögens) und die Steuer die speziell auf Gold erhoben wird (dazu kann mein seinen Goldbesitz wiegen lassen und entsprechend dem aktuellen Goldpreis die zu zahlende Summe errechnen). Diese Almosen können zwar das ganze Jahr über geleistet werden, viele Muslime scheinen sie allerdings im besonderen Monat Ramadan zu zahlen. Zum großen Fest morgen steht übrigens eine zusätzliche Zahlung an: Bis vor Sonnenaufgang am ersten Tag des Festes sollte jeder Muslim einem Armen eine Mahlzeit geschenkt haben, sei es in Naturalien oder in Geldform, sodass morgen jeder Gläubige ein richtiges Fest hat. Eine schöne Idee!

Der komplette Koran als Wandschmuck.

Was man nun während des Ramadans noch mehr hört als sonst, ist der Koran. Vor allem in der Zeit nach dem Morgengebet greifen viele Gläubige zum heiligen Buch. Den Koran liest man übrigens nicht, man rezitiert ihn laut. Ganze Radio- und Fernsehsender sind seiner Rezitation gewidmet. Die Koranrezitation eines geübten Lesers klingt wunderschön (und ist gar nicht einfach, sondern eine Wissenschaft für sich). Wer mag, kann mal reinhören unter www.mp3quran.net/de. Für Muslime beinhaltet der Koran das herabgesandte Wort Gottes und ist als solches absolut unveränderlich. Seine Bedeutung wird auch durch die Behandlung des Buches deutlich: ein Muslim würde einen Koran zum Beispiel nie auf den Boden legen und mir als Nicht-Muslimin ist eine Berührung untersagt. Der Koran bildet die wichtigste Quelle für alle religiösen Angelegenheiten und Fragen des täglichen Lebens (die zweitwichtigste Quelle ist das vorbildhafte Leben des Propheten). Von klein auf lernen Muslime ganze Kapitel des Korans auswendig; großes Ansehen genießt derjenige, der die komplette Schrift memoriert hat. Im Fernsehen gab es letztens einen Wettbewerb zu bestaunen, in dem Kinder dieses Wissen unter Beweis stellten. Ich war echt beeindruckt.

"..die Übersetzung seiner Bedeutungen.." - als das echte Wort Gottes kann der Koran nicht übersetzt werden, man kann lediglich die Bedeutung seines Inhaltes in einer anderen Sprache wiedergeben.

Ramadan

August 13, 2010

Ramadan Karim

Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, saßen wir am Dienstagabend gespannt vor dem Fernseher, um zu erfahren, ob der Neumond gesichtet wurde oder nicht. Sein Erscheinen läutet nämlich den Beginn eines neuen Monats ein. Saudi-Arabien hatte ihn gesehen und am Mittwoch mit dem Fasten begonnen. Im Oman war es erst später soweit und so war hier am Donnerstag der 1.Ramadan – der Beginn des heiligen Monats. Das Fasten im Ramadan bildet eine der so genannten fünf Säulen des Islam und ist als solche für Muslime verpflichtend (die anderen vier sind das islamische Glaubensbekenntnis, die täglichen fünf Gebete, die Pilgerfahrt nach Mekka und die Almosensteuer*). Vor dem Morgengebet, dass immer kurz vor Sonnenaufgang stattfindet, gibt es eine kleine Mahlzeit, danach beginnt das Fasten, das nicht nur Essen, sondern auch Getränke, Bonbons, Medizin etc. umfasst (keine Sorge, Kranke und Kinder sind ausgenommen). Viele Muslime verbringen den Tag zuhause, man liest viel im Koran, manche nehmen sich sogar Urlaub, Ämter sind nur halbtags geöffnet, andere Arbeitgeber reduzieren die Arbeitszeit ihrer Angestellten, Restaurants öffnen erst abends und schließen später als sonst, in den Hotels wird kein Alkohol ausgeschenkt. Erschallt kurz vor Sonnenuntergang der Ruf zum Abendgebet, wird das Fasten gebrochen; traditionell mit Datteln und Laban (einem salzigen Joghurt-Getränk). Nach dem Gebet gibt es dann die Hauptmahlzeit, die wirklich wunderbar schmeckt. In den meisten Familien wird während des Ramadans übrigens viel mehr gekocht und gebacken als sonst, denn man bringt immer auch etwas zu Nachbarn und Verwandten (Statistiken zufolge wird im Monat Ramadan mehr Geld für Essen ausgegeben als in jedem anderen Monat). Nach dem Essen haben wir uns gestern zu einem langen Sport-Spaziergang am Meer aufgemacht und wir waren nicht alleine, es herrschte vielmehr Hochbetrieb. Jede Menge andere Spaziergänger und Läufer waren unterwegs, Jungen trafen sich zum Fußballspielen. Viele Aktivitäten werden jetzt wohl noch mehr als sonst auf den Abend verlegt.  

 * Diese Almosensteuer umfasst einen bestimmten Prozentsatz des Vermögens und ist jährlich zu entrichten. Allerdings wird sie nicht von einer zentralen Stelle eingezogen, sondern der Gläubige ist selber für ihre Berechnung und Zahlung verantwortlich. Oft gibt man das Geld an jemanden weiter, von dem man weiß, dass er Bedürftige kennt.

40th Renaissance Day!!

Juli 23, 2010

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Heute vor 40 Jahren übernahm Sultan Qaboos den Thron und läutete eine Zeit des Wandels ein, die in den letzten vier Jahrzehnten sehr vieles erreicht hat und großen Respekt verdient. Die Zeitung ist voll von Glückwunsch- und Dankanzeigen.

 Und ich überlege: Was steht eigentlich in deutschen Zeitungen am 3.Oktober?

 
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Hitze, Datteln, Mangos

Juli 10, 2010

Es ist heiß! Um die Mittagszeit waren es letztens 47 Grad – Rekord für mich; letzten Sommer gab es hier aber sogar mehr als 50 Grad!!  Wenn die Temperaturen so hoch klettern, wird es natürlich auch abends bzw. nachts nie wirklich kühler. Ohne laufende Klimaanlage kann man also tatsächlich nicht schlafen. Die Kleider kommen bügelwarm aus dem Schrank, Fenster- und Autoscheiben sind mehr als lauwarm, auf den Steinen im Hof ist es unmöglich barfuss zu laufen (omanische Kinderfüße ausgenommen) und man kann sich mittags beim Händewaschen fast verbrennen, wenn das Haus mit Wasser aus einem Tank versorgt wird. Sogar den sonnenverliebten Eidechsen scheint es zu warm zu sein, die sitzen nämlich alle drinnen bei uns. Weht ein leichter Wind, hat man das Gefühl gefönt zu werden oder in einen heißen Backofen zu schauen.

Hochsaison für Klimaanlagen

Im Landesinneren ist es aber trotzdem ganz gut auszuhalten, weil es sich hier um eine trockene Hitze handelt. In Masqat, in Meeresnähe, macht hohe Luftfeuchtigkeit das Atmen schwer. Im klimatisierten Auto beschlagen die Scheiben von außen und steigen Brillenträger aus, sehen sie erstmal nichts. Zehn Schritte vom Auto zum Haus ersetzen den Saunabesuch und das Betreten eines eisgekühlten Supermarktes ist so erfrischend wie ein Sprung ins Schwimmbecken. Die Hitze hat allerdings einen guten Grund: sie ist notwendig zum Reifen der wunderbaren Datteln (denen der Regen Anfang Juni gar nicht gefallen hat). Es gibt eine riesige Anzahl verschiedenster Sorten. Im Moment ist Erntezeit, sodass wir täglich in den Genuss frischer Datteln kommen. Eine unfertige Dattel ist noch ganz knackig und schmeckt wie Zuckerfasern.

Dattelpalme

Unreife Datteln

Langsam wird sie noch an der Palme hängend von unter her weich und ändert ihre Farbe in Richtung bräunlich. Köstlich ist es, wenn sie ca. halb gereift ist. Sind die Datteln komplett braun, also reif, entfernt man den Stiel/Deckel, wäscht sie, lässt sie in der Sonne trocknen und lagert sie dann. Je nach Geschmack ergänzt man z.B. Kardamom oder Sesam.

Reife Datteln...

 

...in großen Mengen.

Was wir neben Datteln im Moment noch in rauen Mengen verputzen sind Mangos und zwar richtige, reife, saftige Mangos (nicht mit den in Deutschland erhältlichen zu vergleichen). Die kommen zwar zum großen Teil aus Asien, Mangobäume gedeihen aber auch im Oman.

Mango Festival

Mangoberge

Sturmbericht

Juli 10, 2010

Anfang Juni kam ein tropischer Sturm mit Namen Phet über den Indischen Ozean auf uns zu. Da niemand so ganz genau vorhersagen konnte, wo er landen würde und mit welcher Kraft, waren wir selbst in Masqat auf einiges gefasst. Der Sturm Gono, der hier vor 3,4 Jahren wütete, viele Häuser unter Wasser setzte, Straßen zerstörte und die Strom- und Wasserversorgung lahm legte, hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sodass dieses Mal jeder gut vorbereitet sein wollte; der Supermarkt war gut besucht – vor allem wurde Wasser gekauft. Ein komisches Gefühl, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. Am stärksten betroffen war schließlich die Region um Suur. In Masqat hatten wir starken Regen und Wind und einige Stadtteile standen unter Wasser. Wir sind aber Gott sei Dank mit einem blauen Auge bzw. nassen Füßen davon gekommen. Ein bisschen problematisch ist Regen hier aber immer, weil es kein richtiges Kanalsystem gibt. So sammelt sich das Wasser in den Straßen und Höfen, die so, je nach dem mit welchem Auto man unterwegs ist, unpassierbar werden. Als natürliche Ablaufwege des Regens dienen die Wadis (allerdings nur wenn sie nicht verbaut sind), die sich dann zu reißenden Strömen verwandeln können.

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Hier ist sonst nichts....das ist alles Regenwasser!!

Das Hochwasser hat jede Menge Schlamm mitgebracht.

Stürmische See in Matrah

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Aufräumarbeiten

Wasserstraße

Putzkolonne

Auf nach Nizwa

Juni 13, 2010

unterwegs

unterwegs

 

on the road

Fort von Nizwa

 

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Fort von Nizwa...von Bergen umgeben

  

Ausblick auf Nizwa

  

Fort von Nizwa

  

unterwegs

  

Berge in allen Schattierungen

   

Lecker =)

Mai 27, 2010

Endlich muss ich doch mal erzählen, was hier so auf den Tisch kommt. Die wichtigste Komponente ist dabei immer Reis! Schon oft habe ich den Satz gehört: Wenn es keinen Reis zum Essen gab, fühle ich mich nicht satt. Reis ist also immer dabei. Nudeln werden eher selten gekocht, genauso wie Kartoffeln. Ein paar Kartoffeln werden aber oft unter den Reis gemischt. Dazu gibt es Hühnchen oder aber Fisch – bei einer Küstenlänge von 1700km kein Wunder. Seit ich hier bin habe ich soviel Fisch gegessen wie noch nie zuvor, vor allem auch für mich eher seltenes wie Oktopus, Krabben, Garnelen oder Tintenfisch – ich muss sagen ich werde zum Fisch-Fan. Unter der Bezeichnung Fleisch meint man hier zumeist Schaf-, Ziegen- oder Rindfleisch ( Hühnchen fällt nicht darunter), das vor allem bei Feiern nicht fehlen darf ( siehe das unterirdische geschmorte Fleisch zum Opferfest). Was meistens außerdem auf dem Tisch steht sind Datteln…vor, zum oder nach dem Essen köstlich. Man sagt, eine gute Handvoll Datteln deckt den täglichen Bedarf an wichtigen Vitaminen u.ä.; wenn man bedenkt, dass frühere Karawanenreisende auf ihrem Weg durch die Wüsten sich immer mit Datteln versorgten, muss da wohl was dran sein. Im Moment ist Dattel-Erntesaison, d.h. es gibt frische Datteln, die sehr lecker schmecken. Datteln werden übrigens auch fast immer zum Kaffee angeboten. Die omanische Kaffeevariante beinhaltet nämlich keinen Zucker und schmeckt so zwar gut, aber ein bisschen bitter – eine süße Dattel macht den Genuss folglich vollkommen. Allerdings trinkt man diesen Kaffee nicht zum Frühstück (mir ist zumindest noch niemand begegnet, der das macht), sondern eher nachmittags bzw. nach dem Essen und er wird immer Gästen angeboten. Morgens bevorzugt man Milchtee (schwarzer Tee mit Milch, Zucker und nach Belieben Kardamom, Ingwer, Zimt, Thymian…) Dazu gibt es eher nichts süßes und auch die aufwendige Art ein Stück Brot mit Butter und Marmelade oder Aufstrich zu bestreichen ist selten. So gibt es z.B. Gemüsesoße oder Eieromelett, die man mit Brot* ist – also mit einem Stück Brot vom Teller isst ( denn wie gesagt: man isst mit der rechten Hand; Kinder werden von klein auf dazu angehalten und auch gebürtige Linkshänder wechseln zum Essen die Seiten) oder es gibt Cornflakes ( die werden natürlich mit Löffel gegessen =)) oder einen köstlichen dünnen Pfannkuchen mit Zwiebeln und Petersilie darin, der mit Honig sogar noch besser schmeckt. Dessen Ursprung liegt aber in der suahelischen Küche, deren Einfluss vor allem in Familien, deren Geschichte mit Zansibar verbunden ist, recht groß ist –  einiges scheint sich aber in der omanischen Küche etabliert zu haben, wie z.B. Djabati ( ein in der Pfanne gebackenes, wunderbares Brot) oder Mandasi ( kleine Hefeteig-Brötchen, in Öl ausgebacken) oder Kachori ( gewürzte Kartoffelpüreebällchen)….mein Leben hier ist wirklich lecker! =) 

* Arabisches Brot gibt es sozusagen in „länderspezifischen Ausführungen“. Das omanische Brot ist rund, kuchenplattengroß, fast esspapierdünn und eher knusprig. Gerne und viel gegessen wird zudem libanesisches Brot, das etwas dicker ist, weich und kuchentellergroß. Auch iranisches Brot ist sehr lecker. Meistens gibt es außerdem Toastbrot – woher kommt das eigentlich?